Das Buch Henoch - Kap. 6-36 Empfehlung

Freitag, 13 Januar 2017 18:13

Der Fall der Engel und Henochs Himmelsreisen

 

Kap. 6. Und als die Menschenkinder zahlreich geworden waren, da wurden ihnen in jenen Tagen schöne und liebliche Töchter geboren.

2. und es sahen sie die Engel, die Söhne der Himmel, und sie begehrten ihrer und sprachen untereinander: »Wohlan, wir wollen uns Weiber auswählen aus den Menschenkindern und uns Kinder erzeugen!«

3. Da sprach zu ihnen Semjaza, der ihr Oberster war: »Ich fürchte, ihr dürftet vielleicht keinen Gefallen daran finden, dass diese Tat ausgeführt werde, und ich werde allein für eine große Sünde büßen müssen«.

4. Sie aber antworteten ihm alle: »Wir wollen alle einen Eid schwören und alle einander durch Verwünschung verpflichten, diesen Plan nicht aufzugeben, vielmehr diesen Plan zur Tat werden zu lassen«.

5. Da schwuren sie alle zusammen und verpflichteten einander dazu durch Verwünschungen.

6. Und es waren im ganzen zweihundert, und sie stiegen herab auf den Ardis, das ist der Gipfel des Berges Hermon , und sie nannten ihn Berg Hermon, weil sie auf ihm geschworen und einander durch Verwünschung verpflichtet hatten.

7. Und das sind die Namen ihrer Obersten: Semjaza, ihr Oberster, Arakib, Aramiel, Kokabiel, Tamiel, Ramiel, Daniel, Ezeqiel, Baraqiel, Asael, Armaros, Batariel, Ananiel, Zaqile, Sampsiel, Satariel, Turiel, Jomiel, Araziel.

8. Das sind ihre Dekarchen.

 

Kap. 7. Diese und die übrigen alle mit ihnen nahmen sich Weiber, und ein jeder wählte sich eine aus, und sie fingen an zu ihnen hineinzugehen, und sie vermischten sich mit ihnen und lehrten sie Zaubermittel und Beschwörungen und zeigten ihnen das Schneiden der Wurzeln und Hölzer.

2. Und jene wurden schwanger und gebaren mächtige Riesen, deren Länge 3000 Ellen war,

3. welche allen Erwerb der Menschen verzehrten, bis die Menschen sie nicht mehr zu ernähren vermochten.

4. Da wandten sich die Riesen gegen sie, um die Menschen zu fressen.

5. Und sie fingen an sich an den Vögeln und an den Tieren, an dem, was da kriecht und an den Fischen zu versündigen,ja sie fraßen untereinander ihr eigenes Fleisch und tranken das Blut davon.

6. Da klagte die Erde über die Gewalttätigen.

 

Kap. 8. Und Azazel lehrte die Menschen Schwerter und Messer, Schilde und Brustpanzer verfertigen, und er zeigte ihnen was hinter ihnen war (die Metalle) und ihre Bearbeitung, und Armspangen und Schmucksachen, und die Kunst die Augen zu schwärzen und die Verschönerung der Augenbrauen, und das allerkostbarste und auserlesenste Gestein und allerlei Farbtinkturen und die Tauschmittel der Welt.

2. Und es herrschte eine große und allgemeine Gottlosigkeit, und sie hurten und gingen in der Irre und waren verderbt auf allen ihren Wegen.

3. Amiziras unterrichtete die Beschwörer und Wurzelschneider, Armaros lehrte die Lösung der Beschwörungen, Baraqiel unterrichtete die Sternseher, Kokabiel lehrte die Zeichen, Tamiel lehrte die Sterndeutung und Asdariel den Lauf des Mondes.

4. Und bei ihrer Vernichtung schrien die Menschen, und ihre Stimme drang zum Himmel.

 

Kap. 9. Da blickten Michael, Uriel, Rafael und Gabriel vom Himmel herab und sahen das viele Blut, das auf der Erde vergossen wurde, und all das Unrecht, das auf der Erde geschah.

2. Und sie sprachen untereinander: »Horch! die Stimme ihres (der Menschen) Wehgeschreis, verödet schreit die Erde, dass es dringt bis zu den Pforten des Himmels.

3. Und jetzt klagen vor euch, den Heiligen des Himmels, die Seelen der Menschen, indem sie sprechen: Bringet für uns die Rechtssache an den Höchsten.«

4. Und sie sprachen zum Herrn der Könige: »Du bist der Herr der Herren, der Gott der Götter, der König der Könige, und der Thron deiner Herrlichkeit besteht durch alle Geschlechter der Welt, und dein Name ist heilig und hochgelobt in alle Ewigkeit, [gepriesen und hochgelobt bist du.]«

5. Du hast alles geschaffen, und die Herrschaft über alles steht bei dir, alles ist vor dir enthüllt und offenbar, du siehst alles, und es gibt nichts, das sich vor dir verbergen könnte.

6. Du hast gesehen, was Azazel getan hat, wie er alle Ungerechtigkeit auf Erden lehrte und die Geheimnisse der Urzeit, die im Himmel bereitet werden, offenbarte;

7. wie den Menschen Kunde brachte Semjaza, dem du die Vollmacht gegeben hast, über seine Genossen zu herrschen.

8. Und sie sind hingegangen zu den Töchtern der Menschen auf Erden, haben bei ihnen geruht, haben sich mit jenen Weibern verunreinigt und ihnen alle Sünden offenbart.

9. Und die Weiber haben Riesen geboren, durch die die ganze Erde voll Blut und Gewalttätigkeit geworden ist.

10. Und nun siehe, die Seelen der Gestorbenen schreien und klagen, dass es bis zu den Pforten des Himmels dringt, und ihr Seufzen ist aufgestiegen und vermag nicht zu entweichen vor dem Angesicht der Gewalttätigkeit, die auf Erden geschieht.

11. Und du weißt alles, ehe es geschieht, du weißt dies und was sie betrifft, und sagst uns nicht einmal, was wir mit ihnen um deswillen tun sollen.«

 

Kap. 10. »Da sprach der Höchste, der Große und Heilige ließ sich vernehmen und entsandte den Asarjaljor zum Sohne Lamechs: »Geh zu Noah und sage ihm in meinem Namen: Verbirg dich! und offenbare ihm das bevorstehende Ende, denn die ganze Erde wird untergehen und eine Wasserflut wird über die ganze Erde kommen, und es wird untergehen, was auf ihr ist.

3. Und nun belehre ihn, dass er entkomme, und sein Same erhalten bleibe für alle Geschlechter.«

4. Und weiter sprach der Herr zu Rafael: »Binde den Azazel an Händen und Füssen und wirf ihn in die Finsternis und öffne die Wüste, die in Dudael ist, und werfe ihn hinein.

5. Und häufe auf ihn raue und spitze Steine und bedecke ihn mit Finsternis, und er soll ewig dort hausen, und bedecke sein Gesicht, dass er das Licht nicht sehe.

6. Und am großen Tage des Gerichtes soll er in die feurige Lohe geworfen werden.

7. Und heile die Erde, die die Engel verderbt haben, und zeige an die Heilung der Erde, auf dass sie die Erde heilen, und nicht alle Menschenkinder umkommen durch das Geheimnis alles dessen, was die Wächter getötet und ihre Söhne gelehrt haben.

8. Und die ganze Erde ist verderbt worden durch die Lehre der Werke Azazels, und ihm schreibe alle Sünde zu.«

9. Und zu Gabriel sprach der Herr: »Zieh gegen die Bastarde und die Verworfenen und gegen die Hurenkinder und vertilge die Hurenkinder und die Söhne der Wächter unter den Menschen, führe sie heraus und hetze sie aufeinander, dass sie selbst sich im Kampfe vernichten, denn langes Leben ist ihnen nicht bestimmt.

10. Und von allem, worum sie dich bitten werden, soll ihren Vätern nichts gewährt werden für sie: dass sie etwa hoffen dürften, ein ewiges Leben zu führen, und dass jeder von ihnen fünfhundert Jahre leben werde.«

11. Und zu Michael sprach der Herr: »Geh, tu dem Semjaza und den andern bei ihm kund, die sich mit den Weibern verbunden haben, um mit ihnen zu verderben in all ihrer Unreinigkeit.

12. Und wenn all ihre Söhne sich gegenseitig erschlagen, und sie den Untergang ihrer Lieblinge gesehen haben werden, so binde sie für siebzig Geschlechter unter die Hügel der Erde bis auf den Tag ihres Gerichts und ihrer Vollendung, bis das Gericht für alle Ewigkeit vollzogen werden wird.

13. Und dann wird man sie abführen in den feurigen Abgrund, in der Qual und im Gefängnis werden sie auf ewig eingeschlossen sein.

14. Und wenn jemand brennen und vernichtet werden wird, so wird er von nun an mit ihnen zusammen gefesselt sein bis an das Ende aller Geschlechter.

15. Und vernichte alle wollüstigen Seelen und die Söhne der Wächter, denn sie haben die Menschen misshandelt.

16. Vertilge alle Gewalttat vom Antlitz der Erde, und jedes Werk der Bosheit soll ein Ende nehmen, und die Pflanze der Gerechtigkeit und Wahrheit soll erscheinen, und sie wird zum Segen gereichen; Werke der Gerechtigkeit und Wahrheit werden mit Freuden auf ewig gepflanzt werden.

17. Und nun werden alle Gerechten entkommen und werden am Leben bleiben, bis sie tausend Kinder gezeugt haben werden, und alle Tage ihrer Jugend und ihren Sabbat werden sie in Frieden verbringen.

18. Und in jenen Tagen wird die ganze Erde in Gerechtigkeit bebaut werden und wird ganz mit Bäumen bepflanzt und voll Segen sein.

19. Und alle Bäume der Lust wird man auf ihr pflanzen, und man wird Weinstöcke auf ihr pflanzen, und der Weinstock, der auf ihr gepflanzt werden wird, wird Wein in Fülle geben, und von allem Samen, der darauf gesät wird, wird ein Maß tausend bringen, und ein Maß Oliven wird zehn Pressen Öl geben.

20. Und du reinige die Erde von aller Gewalttat, von aller Ungerechtigkeit, von aller Sünde, von aller Gottlosigkeit und von aller Unreinigkeit, die auf Erden vorkommt, vertilge sie von der Erde.

21. Und alle Menschenkinder sollen gerecht werden, und alle Völker sollen mich ehren und preisen, und alle werden mich anbeten.

22. Und die Erde wird rein sein von aller Verderbnis und aller Sünde, von allem Strafgericht und von aller Pein, und niemals werde ich wieder dergleichen über sie bringen von Geschlecht zu Geschlecht in Ewigkeit.

 

Kap. 11. Und in jenen Tagen werde ich die himmlischen Schatzkammern des Segens öffnen, um sie auf die Erde, über das Werk und die Arbeit der Menschenkinder herabkommen zu lassen.

2. Und Friede und Wahrheit werden vereint sein für alle Tage der Welt und für alle Geschlechter der Welt.«

 

Kap. 12. Vor allen diesen Begebenheiten ward Henoch entrückt, und keines von den Menschenkindern wusste, wohin er entrückt worden war, und wo er sich aufhielt, und was mit ihm geschehen war.

2. Und all sein Thun war mit den Wächtern und Heiligen in seinen Tagen.

3. Und ich, Henoch, pries eben den großen Herren, den König der Welt, siehe da riefen mich, Henoch den Schreiber, die Wächter und sprachen zu mir:

4. »Henoch, Schreiber der Gerechtigkeit, geh, verkünde den Wächtern des Himmels, welche den hohen Himmel, die heilige, ewige Stätte verlassen haben, und sich mit Weibern geschändet und getan haben, wie die Menschenkinder tun, und sich Weiber genommen haben und in große Verderbnis auf Erden versunken sind:

5. Sie werden keinen Frieden, noch Vergebung der Sünden haben.

6. Und weil sie sich über ihre Kinder freuen, sollen sie die Ermordung ihrer Lieblinge sehen und über den Untergang ihrer Kinder klagen; und sie werden immerdar bitten, aber Barmherzigkeit und Friede wird ihnen nicht zu teil werden.«

 

Kap. 13. Und Henoch ging hin und sagte zu Azazel: »Du wirst keinen Frieden haben, ein gewaltiges Urteil ist über dich ergangen, dich zu fesseln.

2. Milde und Fürbitte wird dir nicht zu teil werden, wegen der Gewalttat, die du gelehrt hast, und wegen all der Werke der Lästerung, Gewalttat und Sünde, die du den Menschen gezeigt hast.«

3. Dann ging ich hin und redete zu ihnen allen zusammen, und sie fürchteten sich alle, Furcht und Zittern ergriff sie.

4. Und sie baten mich, für sie eine Bittschrift zu schreiben, dass ihnen dadurch Vergebung zu teil werde, und ihre Bittschrift hinauf zu bringen vor den Herrn des Himmels.

5. Denn sie selbst können von nun an nicht mit Ihm reden und auch nicht ihre Augen zum Himmel erheben aus Scham über ihre Sünde, um derentwillen sie verdammt worden sind.

6. Da verfasste ich ihre Bittschrift und das Gnadengesuch für ihren Geist und für ihre einzelnen Taten und um das, was ihr Anliegen war, dass ihnen Verzeihung und Nachsicht dadurch zu teil werden möchte.

7. Und ich ging hin und setzte mich an die Wasser Dan im Lande Dan, welches rechts südlich von der Westseite des Hermon liegt, und las ihre Bittschrift vor, bis ich einschlief.

8. Und siehe, ein Traum kam über mich, und Gesichte fielen auf mich, und ich sah die Gesichte des Strafgerichts und eine Stimme erscholl, dass ich zu den Söhnen des Himmels reden und sie schelten sollte.

9. Und als ich aufgewacht war, kam ich zu ihnen, und sie saßen alle beisammen in Ublesjael, welches zwischen dem Libanon und Seneser liegt, trauernd mit verhülltem Gesicht.

10. Und ich erzählte vor ihnen alle Gesichte, die ich im Schlaf gesehen hatte, und fing an, jene Worte der Gerechtigkeit zu verkünden und die Wächter des Himmels zu schelten.

 

Kap. 14. Dieses Buch ist das Wort der Gerechtigkeit und der Zurechtweisung der Wächter, die von Ewigkeit her sind, wie der Heilige und Große in jenem Gericht befohlen hat.

2. Ich sah in meinem Schlafe, was ich jetzt mit Fleischeszunge verkünde, mit meinem Odem, den der Große den Menschen in den Mund gegeben hat, dadurch mit einander zu reden und mit dem Herzen zu verstehen.

3. Wie Er die Menschen geschaffen und ihnen verliehen hat, das Wort der Erkenntnis zu verstehen, so hat er auch mich geschaffen und mir verliehen, die Wächter, die Söhne des Himmels zu schelten.

4. Ich habe eure Bitte aufgeschrieben, aber in meinem Gesicht erschien es mir also, dass eure Bitte nicht erfüllt werden wird in alle Ewigkeit, dass das Gericht über euch vollendet ist, und euch nichts gewährt werden wird.

5. Und von nun an werdet ihr nicht zum Himmel aufsteigen bis in alle Ewigkeit, und es ist befohlen worden, auf der Erde euch zu binden für alle alle Tage der Welt.

6. Doch zuvor werdet ihr den Untergang eurer lieben Söhne gesehen und euch ihres Besitzes nicht erfreut haben, sondern sie werden vor euch fallen durch das Schwert.

7. Und eure Bitte für sie wird nicht erfüllt werden und auch nicht für euch, wie ihr auch dabei weint und fleht und doch nicht einmal ein Wort aus der Schrift, die ich geschrieben habe, vorbringt.

8. Und das Gesicht erschien mir folgendermaßen: Siehe, Wolken riefen mich im Gesicht, und Nebel rief mich, und der Lauf der Sterne und die Blitze hießen mich eilen und trieben mich an, und die Winde im Gesicht gaben mir Flügel und hießen mich eilen, und sie hoben mich empor und brachten mich in den Himmel.

9. Und ich ging hinein, bis ich an eine Mauer kam, aus Hagelsteinen erbaut, und Feuerzungen rings herum, und sie fingen an, mir Furcht zu machen.

10. Und ich trat ein in den Kreis der Feuerzungen und näherte mich einem großen Hause, das aus Hagelsteinen erbaut war, und die Wände jenes Hauses waren wie Plattenbelag aus Steinen von Hagel, und sein Fußboden war Hagel,

11. seine Decke wie die Bahn der Sterne und Blitze; und dazwischen feurige Cherubim, und ihr Himmel gleich Wasser;

12. und flammendes Feuer rings um die Wände, und seine Tür brannte im Feuer.

13. Und ich trat ein in jenes Haus, und es war heiß wie Feuer und kalt wie Schnee; und nichts von Lebensfreude war daselbst; Furcht deckte mich und Zittern ergriff mich,

14. und erschüttert und zitternd fiel ich nieder auf mein Antlitz und schaute im Gesicht:

15. Und siehe, ein anderes Haus, grösser als dieses, und die Tür ganz geöffnet vor mir; und es war aus Feuerzungen gebaut

16. und in allen Stücken so überschwänglich an Herrlichkeit und Pracht und Größe, dass ich euch von seiner Herrlichkeit und Größe keine Beschreibung geben kann.

17. Sein Fußboden war von Feuer, und höher darüber Blitze und die Bahn der Sterne, und seine Decke flammendes Feuer.

18. Und ich schaute hin und sah darin einen hohen Thron, und sein Aussehen war wie Reif, und sein Umkreis war wie die leuchtende Sonne, und es ertönten Cherubstimmen.

19. Und unterhalb des Thrones kamen Ströme flammenden Feuers hervor, und ich vermochte nicht hinzusehen.

20. Und die große Herrlichkeit saß darauf, und Ihr Gewand war leuchtender als die Sonne und weißer als aller Schnee.

21. Und keiner von den Engeln vermochte in dieses Haus einzutreten und sein Antlitz zu schauen vor Hoheit und Herrlichkeit, und keiner, der dem Fleisch angehört, vermochte ihn zu sehen.

22. Flammendes Feuer war rings um Ihn, und ein gewaltiges Feuer stand vor Ihm, und keiner von denen, die um Ihn waren, näherte sich Ihm; zehntausend mal zehntausend waren vor Ihm, Er aber hatte keinen Rat nötig.

23. Und die Heiligkeiten der Heiligen, die in seiner Nähe waren, entfernten sich nicht bei Nacht und gingen nicht weg von Ihm.

24. Und ich war bis dahin wie mit einem Schleier auf meinem Antlitz gewesen, indem ich zitterte, da rief mich der Herr mit eigenem Munde und sprach zu mir: » Tritt heran, Henoch, und höre mein heiliges Wort!«

25. *** und er richtete mich auf und brachte mich bis zur Tür, ich aber schlug mein Antlitz zu Boden.

 

Kap. 15. Und Er hob an und sprach zu mir, und ich hörte auf seine Stimme: »Fürchte dich nicht, Henoch, du gerechter Mann und Schreiber der Gerechtigkeit, tritt heran und höre mein Wort!

2. Und geh hin, sage den Wächtern des Himmels, die dich geschickt haben, für sie zu bitten: Ihr hättet für die Menschen bitten sollen, aber nicht die Menschen für euch.

3. Warum habt ihr den hohen und heiligen, ewigen Himmel verlassen, und bei den Weibern geschlafen und mit den Töchtern der Menschen euch verunreinigt, und habt euch Weiber genommen und wie die Kinder der Erde getan und Riesensöhne erzeugt?

4. Und ihr wäret doch heilig, geistig, teilhaftig des ewigen Lebens, und habt euch nun durch das Blut der Weiber verunreinigt und mit dem Blute des Fleisches Kinder gezeugt und nach dem Blut der Menschen begehrt und habt Fleisch und Blut hervorgebracht, wie auch die zu tun pflegen, die da sterblich und vergänglich sind!

5. Darum habe ich ihnen Weiber gegeben, dass sie dieselben besamen und Kinder von ihnen erhalten, auf das so nichts auf Erden fehle.

6. Ihr aber seid zuvor geistig gewesen, teilhaftig des ewigen, unsterblichen Lebens für alle Geschlechter der Welt.

7. Darum habe ich für euch keine Weiber geschaffen, denn die Geistigen des Himmels haben ihre Wohnung im Himmel.

8. Und nun die Riesen, welche von den Geistern und Fleisch gezeugt worden sind, böse Geister werden sie auf Erden genannt werden, und auf der Erde wird ihre Wohnung sein.

9. Böse Geister sind aus ihrem (der Riesen) Leibe hervorgegangen, weil sie von oben her geschaffen wurden, und von den heiligen Wächtern ihr Anfang und die erste Grundlage stammt. Böse Geister werden sie auf Erden sein und böse Geister genannt werden.

10. Die Geister des Himmels sollen im Himmel ihre Wohnung haben, und die Geister der Erde, die auf Erden geboren wurden, sollen auf Erden ihre Wohnung haben.

11. Und die Geister der Riesen, der Wolken (r. der Nephilim), die da Gewalttat üben, Vernichtung bringen, (darüber her) fallen, kämpfen, Zerstörung auf Erden anrichten, und Leid bringen, die nicht die geringste Speise essen, nicht Durst leiden und nicht wahrzunehmen sind.

12. Und diese Geister werden sich gegen die Menschenkinder und gegen die Weiber erheben, denn sie sind von ihnen ausgegangen.

 

Kap. 16. Von den Tagen des Mordes und Verderbens und des Todes der Riesen an, da die Geister aus den Seelen ihres Fleisches herausgegangen sind, sollen sie dem Verderben Geweihte sein ohne Gericht — so sollen sie verderben bis auf den Tag der Vollendung des großen Gerichts, an dem der große Weltlauf zu seinem Ende gekommen sein wird an den Wächtern und den Gottlosen.

2. Und nun sprich zu den Wächtern, die dich abgeschickt haben, für sie zu bitten, die vordem im Himmel waren,

3. nun sprich: Ihr seid in dem Himmel gewesen, aber alle verborgenen Dinge waren euch noch nicht offenbart, doch kanntet ihr ein fluchwürdiges Geheimnis und das habt ihr den Weibern in eurer Herzenshärtigkeit erzählt, und durch dieses Geheimnis richten die Weiber und Männer viel Böses auf Erden an.

4. Sage ihnen also: Ihr werdet keinen Frieden haben.«

 

Kap. 17. Und sie nahmen mich hinweg an einen Ort, wo diejenigen, welche daselbst hausen, wie flammendes Feuer sind, und wann sie wollen, erscheinen sie wie Menschen.

2. Und sie führten mich an den Ort des Sturmwindes und auf einen Berg, dessen höchster Gipfel bis an den Himmel reichte.

3. Und ich sah die Stätten der Lichter und des Donners an den äußersten Enden, in der Tiefe, wo der feurige Bogen und die Pfeile samt ihrem Köcher und das feurige Schwert und alle Blitze sind.

4. Und sie brachten mich bis zu den sogenannten lebendigen Wassern und bis zu dem Feuer des Westens, welches jeden Sonnenuntergang aufnimmt.

5. Und ich kam zu einem Feuerstrome, dessen Feuer wie Wasser dahinfließt, und der sich in das große Meer im Westen ergießt.

6. Und ich sah die großen Ströme und kam bis zu einer großen Finsternis, und ich ging weiter dahin," wohin kein Fleisch wandert.

7. Und ich sah die Berge der winterlichen Finsternisse und den Ort, wohin das Wasser des ganzen Abgrundes sich ergießt,

8. und ich sah die Mündungen aller Ströme der Erde und die Mündung des Abgrundes.

 

Kap. 18. Und ich sah die Schatzkammern aller Winde und sah, wie er mit ihnen die ganze Schöpfung ausgeschmückt hat, und ich sah die Grundfesten der Erde,

2. und sah den Eckstein der Erde, und sah die vier Winde, welche die Erde tragen und das Firmament des Himmels.

3. Und ich sah, wie die Winde die hohe Wölbung des Himmels ausspannen, indem sie zwischen Himmel und Erde stehen, das sind die Säulen des Himmels.

4. Und ich sah die Winde, welche den Himmel im Kreise drehen, welche die Sonnenscheibe und alle Sterne zum Untergang bringen.

5. Ich sah die Winde über der Erde, welche an den Wolken zu tragen haben, ich sah die Pfade der Engel, ich sah am Ende der Erde das Firmament des Himmels darüber.

6. Und ich ging nach Süden und sah einen Ort, der brannte Tag und Nacht, da wo die sieben Berge aus Edelstein sind, drei nach Osten und drei nach Süden.

7. Und von den nach Osten gelegenen war einer aus farbigem Stein, einer aus Perlstein und einer aus Heilstein, und die nach Süden gelegenen waren aus rotem Gestein.

8. Und der mittlere reichte bis in den Himmel, dem Throne Gottes gleich aus Antimon (r. Malachit?), und die Spitze des Thrones aus Saphir.

9. Und ich sah ein flammendes Feuer und was auf allen Bergen ist (r. und hinter diesen Bergen)

10. und ich sah daselbst einen Ort, jenseits der großen Erde, daselbst werden die Himmel zusammengetan werden.

11. Und ich sah eine tiefe Kluft bei den Säulen himmlischen Feuers, und ich sah unter ihnen Feuersäulen herabfallen, die nach Höhe und Tiefe kein Maß hatten.

12. Und über jene Kluft hinweg sah ich einen Ort, der nicht das Firmament des Himmels über sich noch den festen Grund der Erde unter sich hatte, kein Wasser war auf ihm, und keine Vögel, sondern ein wüster und schrecklicher Ort war es.

13. Daselbst sah ich sieben Sterne wie große brennende Berge und wie ein Geist, der mich fragte (r. und als ich danach fragte),

14. sprach der Engel: »Das ist der Ort, wo Himmel und Erde zu Ende sind, zum Gefängnis ward er bestimmt für die Sterne und die Mächte des Himmels.

15. Und die Sterne, welche über dem Feuer rollen, das sind die, welche den Befehl Gottes übertreten haben vom Anfang ihres Aufganges an, weil sie nicht zu ihrer Zeit hervorkamen.

16. Und er ward zornig auf sie und band sie bis zur Zeit, dass ihre Sünde abgetan sein wird im Jahre des Geheimnisses.«

 

Kap. 19. Und Uriel sprach zu mir: »Hier werden die Engel stehen, nachdem sie sich mit den Weibern vermischt haben — und ihre Geister, vielerlei Gestalt annehmend, haben die Menschen geschändet und werden sie verführen, den Dämonen als Göttern zu opfern — bis auf den Tag des großen Gerichts, an dem sie werden gerichtet werden, so dass es mit ihnen zu Ende sein wird.

2. Und ihre Weiber, die die Engel verführten, werden wie Friedfertige (r. zu Sirenen) werden.«

3. Und ich, Henoch, habe allein den Anblick gesehen, die Enden des Alls, und keiner von den Menschen wird sehen, wie ich gesehen habe.

 

Kap. 20. Das sind die Namen der heiligen Engel, welche Wache halten:

2. Uriel, einer von den heiligen Engeln, nämlich der Engel, der Welt und des Bebens.

3. Rafael, einer der heiligen Engel, der Engel der Geister der Menschen.

4. Raguel, einer der heiligen Engel, der Rache nimmt an der Welt und den Lichtern.

5. Michael, einer der heiligen Engel, nämlich der, welcher über die Besten unter den Menschen, über das Volk, gesetzt ist.

6. Saraqiel, einer der heiligen Engel, der über die Geister der Menschenkinder gesetzt ist, die gegen die Geister sündigen.

7. Gabriel, einer der heiligen Engel, der über das Paradies, die Schlangen und die Cherubim gesetzt ist.

8. *****

 

Kap. 21. Und ich ging umher bis zum Formlosen (Chaos),

2. und daselbst sah ich etwas Schreckliches. Ich sah weder Himmel oben, noch Erde unten gegründet, sondern einen Ort, ungestaltet und schrecklieh.

3. Und daselbst sah ich sieben Sterne des Himmels an ihm zusammengebunden wie große Berge und im Feuer brennend.

4. Da sprach ich: »Um welcher Sünde willen sind sie gebunden, und weshalb sind sie hierher Verstoßen?«

5. Da sagte zu mir Uriel, einer von den heiligen Engeln, der mit mir war, indem er mich führte, und sprach: »Henoch, um wessentwillen fragst du, und um wessentwillen forschest du und trägst Sorge?

6. Die gehören zu den Sternen, welche das Gebot Gottes übertreten haben, und sie sind hier gebunden, bis zehntausend Aeonen, die Zahl der Tage ihrer Sünde, zu Ende sind.«

7. Und von da ging ich nach einem anderen Orte, schrecklicher als dieser, und ich sah entsetzliche Dinge: ein mächtiges Feuer war da, das flammte und loderte, und einen Spalt hatte der Ort bis zum Abgrund, angefüllt mit mächtigen Feuersäulen, die man hinabfahren ließ, und ich vermochte weder seine Masse noch seine Größe zu sehen und war nicht im Stande sie abzuschätzen.

8. Da. sprach ich: »Wie schrecklich ist dieser Ort und peinvoll anzusehen.«

9. Da antwortete mir Uriel, einer der heiligen Engel, der bei mir war, und sprach: »Henoch, warum hast du solche Furcht und Schrecken?« (und ich antwortete): »Wegen dieses entsetzlichen Ortes und vor dem Anblick dieser Pein.«

10. Und er sprach zu mir: »Dieser Ort ist das Gefängnis der Engel, und hier werden sie gefangen gehalten bis in Ewigkeit.«

 

Kap. 22. Und von da ging ich nach einem anderen Orte, und er zeigte mir im Westen einen großen und hohen Berg und harte Felsen.

2. und vier schöne Räume waren in ihm, die sehr tief, breit und glatt waren, drei davon finster und einer licht, und eine Wasserquelle in seiner Mitte, und ich sprach: »Wie glatt ist das Rollende (r. sind diese Höhlungen) und tief und finster zu schauen!«

3. Da antwortete Rafael, einer der heiligen Engel, der bei mir war, und sprach zu mir: »Diese schönen Räume sind dazu da, dass dahin die Geister der Seelen der Abgeschiedenen zusammengebracht werden; zu dem Zweck sind sie geschaffen, um in sich alle Seelen der Menschenkinder aufzunehmen.

4. Und diese Räume sind gemacht, um sie daselbst unterzubringen bis zum Tage ihres Gerichtes und bis zu ihrer bestimmten Frist, und diese Frist währt lange bis zu dem großen Gericht über sie.«

5. Ich sah die Geister von Menschenkindern, die verstorben waren, und ihre Stimme drang zum Himmel und klagte.

6. Da fragte ich Rafael, den Engel, der bei mir war, und sprach zu ihm: »Wessen Geist ist das, dessen Stimme so empordringt und Klage erhebt?«

7. Und er antwortete und sprach zu mir also: »Das ist der Geist, der von Abel ausging, welchen sein Bruder Kain tötete, und er erhebt Klage gegen ihn, bis sein Same vertilgt sein wird vom Antlitz der Erde, und aus dem Samen der Menschen sein Same verschwunden sein wird.«

8. Da fragte ich nach dem Gericht über alle: »Warum sind sie getrennt, eine von der anderen?«

9. Und er antwortete und sprach zu mir: »Diese drei sind gemacht, um die Geister der Verstorbenen zu scheiden, und ebenso sind die Seelen der Gerechten abgetrennt, da wo die Quelle des Wassers des Lebens, das Licht, dabei ist.

10. Und in gleicher Weise wurde eine Abteilung für die Sünder geschaffen, wenn sie sterben und zur Erde bestattet werden, ohne dass das Gericht bei ihren Lebzeiten über sie gekommen ist.

11. Daselbst werden ihre Seelen für diese große Pein abgesondert bis auf den großen Tag des Gerichts und der Strafe und Pein für die in Ewigkeit Fluchenden (r. Verfluchten), und der Vergeltung für ihre Seelen; daselbst wird er sie binden in Ewigkeit [oder es heißt auch: von Anbeginn der Welt an].

12. Und ebenso war eine besondere Abteilung gemacht worden für die Seelen der Klagenden, welche Kunde geben von (ihrem) Untergang, als sie in den Tagen der Sünder getötet wurden.

13. Und so ist sie (auch) für die Seelen der Menschen geschaffen worden, die nicht Gerechte, sondern Sünder von vollendeter Bosheit gewesen sein und mit den Frevlern ihr Los teilen werden; ihre Seelen werden nicht getötet werden am Tage des Gerichtes, aber sie werden (auch) nicht von hier auferstehen.«

14. Da pries ich den Herrn der Herrlichkeit und sprach: »Gepriesen sei mein Herr, der Herr der Gerechtigkeit, der in Ewigkeit regiert.«

 

Kap. 23. Und von da ging ich an einen anderen Ort nach Westen hin bis zu den Enden der Erde.

2. Und ich sah ein flammendes Feuer, das lief ohne zu ruhen und abzulassen von seinem Laufe weder bei Tage noch bei Nacht, sondern blieb darin sich gleich.

3. Und ich fragte, indem ich sprach: »Was ist dieses ruhelose Ding da?«

4. Da antwortete mir Raguel, einer von den heiligen Engeln, der bei mir war, und sprach zu mir: »Dieser (Feuer-)Lauf, den du nach Westen gerichtet gesehen hast, ist das Feuer, welches alle Lichter des Himmels vertreibt.«

 

Kap. 24. Und von da ging ich an einen anderen Ort der Erde, und er zeigte mir einen Feuerberg, der in Flammen stand Tag und Nacht;

2. und ich ging darauf zu und sah sieben herrliche Berge, jeden vom andern verschieden, und prächtige und schöne Steine, und alle prächtig, und herrlich ihr Anblick und schön von Aussehen; drei von den Bergen gegen Osten, einer dicht bei dem andern, und drei gegen Süden, einer bei dem andern, und tiefe und gewundene Schluchten, keine an die andere stoßend.

3. Und der siebente Berg lag zwischen ihnen, und in ihrer Höhe glichen sie alle einem Thronsessel, und es umgaben ihn wohlriechende Bäume.

4. Und es war unter ihnen ein Baum, wie ich noch nie einen gerochen hatte, und keiner von diesen noch andere waren so wie er; er verbreitete einen Duft, herrlicher als alle Wohlgerüche, und seine Blätter, seine Blüten und sein Holz welken in Ewigkeit nicht, und seine Frucht ist schön, und seine Frucht gleicht den Trauben der Dattelpalme.

5. Da sprach ich: »O, dieser schöne Baum und herrlich anzusehen, lieblich seine Blätter, und seine Frucht gar ergötzlich für den Blick des Auges!«

6. Da antwortete mir Michael, einer von den heiligen und hehren Engeln, der bei mir war, er der Über sie gesetzt war, und sprach zu mir:

 

Kap. 25. »Henoch, was fragst du mich über den Geruch dieses Baumes, und was forschest du, die Wahrheit zu erfahren?«

2. Da antwortete ich, Henoch, ihm, indem ich sprach: »Von allem wünsche ich Kunde zu erhalten, besonders aber von diesem Baum.«

3. Und er antwortete, indem er sprach: »Dieser hohe Berg, den du gesehen hast, dessen Gipfel dem Throne des Herrn gleicht, ist sein Thron, wo der Heilige und der große Herr der Herrlichkeit, der ewige König, sich niederlassen wird, die Erde zu besuchen zum Guten.

4. Und diesen Baum von köstlichem Gerüche zu berühren, ist keinem einzigen Sterblichen erlaubt, bis zum großen Gericht, wenn er für alles Vergeltung übt und es zur Vollendung bringt für die Ewigkeit; dann wird dieser den Gerechten und Demütigen übergeben werden.

5. Durch seine Frucht wird den Auserwählten Leben gegeben werden, und er wird nach Norden verpflanzt werden an einen heiligen Ort, bei dem Hause des Herrn, des ewigen Königs.

6. Da werden sie sich freuen in Fröhlichkeit und frohlocken, in das Heiligtum werden sie ihm bringen den Duft in ihren Gebeinen, und sie werden ein langes Leben auf Erden leben, wie es deine Väter getan haben, und in ihren Tagen wird weder Trauer noch Leid, noch Mühsal noch Plage sie treffen.«

7. Da pries ich Gott der Herrlichkeit, den ewigen König, dass er solches für die gerechten Menschen bereitet hätte und solches geschaffen hätte und verheißen, ihnen zu geben.

 

Kap. 26. Und von da ging ich nach der Mitte der Erde und sah einen gesegneten und fruchtbaren Ort, wo es Bäume mit immerwährenden Schösslingen gab, die selbst aus dem gefällten Baume sprossten.

2. Und daselbst sah ich einen heiligen Berg, und unterhalb des Berges ein Wasser von Osten her kommend, und sein Lauf nach Süden gerichtet.

3. Und ich sah nach Osten hin einen andern Berg, der höher war als dieser, und zwischen ihnen eine tiefe aber nicht breite Schlucht, und auch in ihr floss ein Wasser an dem Berge hin.

4. Und westlich von diesem war ein anderer Berg, der war niedriger als er und hatte keine Höhe, und eine Schlucht war unterhalb desselben zwischen ihnen, und eine andere tiefe und trockene Schlucht am Ende von den dreien.

5. Und alle Schluchten waren tief aber nicht breit, aus hartem Fels und kein Baum war in ihnen gepflanzt.

6. Und ich wunderte mich über das Felsgestein, wunderte mich über die Schlucht und wunderte mich gar sehr.

 

Kap. 27. Da sprach ich: »Wozu ist dieses gesegnete und ganz mit Bäumen bestandene Land, und diese verfluchte Schlucht dazwischen?«

2. Da antwortete mir Uriel, einer der heiligen Engel, der bei mir war, und sprach zu mir: »Diese verfluchte Schlucht ist für die in Ewigkeit Verfluchten bestimmt; hier werden alle zusammengebracht werden, welche unziemliche Worte gegen den Herrn in ihren Mund nehmen und über seine Herrlichkeit freche Reden führen, hierhin wird man sie zusammenbringen, und hier ist ihr Strafort.

3. In den letzten Tagen wird an ihnen das Schauspiel eines gerechten Gerichtes vor den Gerechten gezeigt werden in Ewigkeit immerdar, da werden die, welche Erbarmen übten, den Herrn der Herrlichkeit, den ewigen König preisen.

4. Und in den Tagen des Gerichts über jene werden sie ihn preisen für die Barmherzigkeit, wie er ihnen ihr Los zuerteilt hat.«

5. Da pries ich den Herrn der Herrlichkeit, verkündete ihm und gedachte seiner, wie es sich für seine Majestät gebührt.

 

Kap. 28. Und von da ging ich nach Osten, mitten in das Gebirge Madbara und sah eine öde und einsame Gegend, voller Bäume.

2. Und aus diesem Samen rieselte Wasser von oben her darüber hin —

3. es erschien wie ein reichlicher Wasserlauf, der Wasser spendet — in nordwestlicher Richtung, und von überall her stieg Wasser und Tau auf.

 

Kap. 29. Und von da ging ich an eine andere Stelle von Madbara und näherte mich der Ostseite jenes Berges,

2. und daselbst sah ich die Gerichtsbäume, besondere Gefäße von Weihrauch und Myrrhengeruch, und die Bäume wiederum glichen Nüssen.

 

Kap. 30. Und darüber hoch über ihnen über dem östlichen Berge, nicht weit und sah einen anderen Ort, eine Schlucht mit Wasser gleich solchem, welches nicht versiegt.

2. Und ich sah einen schönen Baum, der einem Duftbaume von der Art des Mastix glich.

3. Und an den Rändern jener Täler erblickte ich den wohlriechenden Zimtbaum. Und ich ging darüber hinaus nach Osten zu.

 

Kap. 31. Und ich sah andere Berge, auf denen Bäume waren, und es kam daraus hervor wie Nektar, was Sarran und Galbanum heißt.

2. Und über jenem Berge sah ich einen anderen Berg, darauf waren Aloebäume, und jene Bäume waren voll von Früchten, die der Mandel gleich und hart sind.

3. Und wenn man diese Frucht nimmt, so übertrifft sie alle Wohlgerüche.

 

Kap. 32. Und als ich nach diesen Wohlgerüchen gen Norden blickte über die Berge hin, sah ich sieben Berge voll köstlicher Narde, Duftbäume, Zimt und Pfeffer.

2. Und von da ging ich über den Gipfel jener Berge hinweg weit nach Osten hin und ich schritt über das erythräische Meer hinweg und kam weit weg von ihm und schritt über den Engel Zotiel hinweg.

3. Und ich kam an den Garten der Gerechtigkeit und sah über jene Bäume hinaus noch viele und große Bäume daselbst sprossen, von trefflichem Geruch, groß und von hoher Schönheit und herrlich, und den Baum der Weisheit, durch den die, welche davon essen, großer Weisheit teilhaftig werden.

4. Und er glich dem Johannisbrotbaum, und seine Frucht war wie die Weintraube, ganz vortrefflich, und der Geruch jenes Baumes verbreitete sich und drang weit hin.

5. Da sprach ich: »Wie schön ist dieser Baum, und wie schön und erfreulich ist sein Anblick!«

6. Und es antwortete mir der heilige Engel Rafael, der bei mir war, und sprach zu mir: »Das ist der Baum der Weisheit, von dem dein Urahn und deine Ältermutter, die vor dir waren, gegessen haben, und sie wurden der Weisheit kundig, und ihre Augen wurden aufgetan, und sie erkannten, dass sie nackt waren, und wurden aus dem Garten vertrieben.«

 

Kap. 33. Und von da ging ich bis an die Enden der Erde und sah daselbst große Tiere, und jedes war vom andern verschieden, und ebenso Vögel, verschiedenartig nach Gestalt, Schönheit und Stimme, der eine anders als der andere.

2. Und östlich von diesen Tieren sah ich die Enden der Erde, worauf der Himmel ruht, und die Tore des Himmels offen.

3. Und ich sah, wie die Sterne des Himmels herauskamen, und ich zählte die Tore, aus denen sie hervorkamen, und schrieb alle ihre Ausgänge auf für einen jeden einzelnen besonders, nach ihrer Zahl und ihren Namen, nach ihrer Verbindung, ihrer Stellung, ihrer Zeit und ihren Monaten, wie mir Uriel, der Engel, der mit mir war, zeigte.

4. Alles zeigte er mir und schrieb es mir auf, und auch ihre Namen schrieb er mir auf, ihre Gesetze und ihre Vereinigungen.

 

Kap. 34. Und von da ging ich gegen Norden an den Enden der Erde und sah daselbst eine großartige und herrliche weise Veranstaltung an den Enden der ganzen Erde.

2. Und ich sah daselbst drei Himmelstore geöffnet am Himmel, aus einem jeden kamen Nordwinde heraus; wenn sie wehen, da gibt es Kälte, Hagel, Reif, Schnee, Tau und Regen.

3. Und aus dem einen Tore blasen sie zum Guten, wenn sie aber durch die beiden anderen Tore blasen, dann geschieht es mit Gewalt und unheilbringend über die Erde hin, und sie blasen mit Gewalt.

 

Kap. 35. Und von da ging ich gegen Westen an den Enden der Erde und sah daselbst drei offene Himmelstore, wie ich im Osten gesehen hatte, ebenso viel Thore und ebenso viel Ausgänge.

 

Kap. 36. Und von da ging ich nach Süden an den Enden der Erde und sah daselbst drei offene Himmelstore, und es kamen da heraus der Südwind und Tau und Regen und Wind.

2. Und von da ging ich nach Osten an den Enden des Himmels und sah daselbst die drei östlichen Himmelstore offen und über ihnen kleine Tore.

3. Durch jedes jener kleinen Tore gingen die Sterne des Himmels durch und zogen westwärts auf der Bahn, die ihnen gezeigt war.

4. Und so oft ich das sah, habe ich jedes Mal den Herrn der Herrlichkeit gepriesen und werde ihn preisen, der die großen und herrlichen Wunder vollbracht hat, um seinen Engeln, den Seelen und den Menschen die Größe seines Werkes zu zeigen, dass sie sein Werk, seine ganze Schöpfung preisen, auf dass sie das Werk seiner Macht sehen und das große Werk seiner Hände rühmen und ihn in Ewigkeit preisen.

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